Seit Monaten spitzt sich die Lage der Beschäftigten dramatisch zu, wie in einer aktuellen Befragung von rund 1.000 Betrieben im Organisationsbereich der IG Metall Mitte deutlich wird.
Diesem Befund begegnen die Arbeitgeber wahlweise mit Diffamierung der Beschäftigten oder Appellen an die Politik, anstatt mit Innovationen und Tatkraft. Quartalszahlen scheinen die einzig relevante Kenngröße zu sein. Risiken, die trotz der anziehenden Absatzentwicklung von Elektrofahrzeugen bestehen, werden nicht eingegangen. Der Rückzug von ACC aus Kaiserslautern sei dafür nur ein negatives Beispiel, sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, am heutigen Montag auf der Jahrespressekonferenz des Bezirksleitung.
Die IG Metall steht für Lösungen und hat konkrete Vorschläge
Die Gewerkschaft setzt sich seit Jahren für eine aktive Industriepolitik gegenüber der Politik und den Arbeitgeberverbänden ein. So etwa für einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis für die energieintensive Industrie oder Schutzmaßnahmen für Branchen, die durch Billigimporte immer stärker unter Druck geraten. Local-Content-Regeln bei Investitionen und Vergaben, die die lokale Wertschöpfung stärken und resiliente Lieferketten im Inland und Europa fördern.
Die Reaktionen folgen im Kern immer dem gleichen Muster, kritisiert Jörg Köhlinger deutlich: „Wenn es gut läuft, halbherzig prüfen. Wenn schlecht läuft, als zu teuer diffamieren und tarifliche Regelungen in Frage stellen, auf schlechte Rahmenbedingungen und bürokratische Strukturen verweisen. Oder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben oder in Bausch und Bogen gleich ganz ablehnen. Mit dieser Haltung der Arbeitgeber und Teilen der Politik werden wir das Steuer nicht rumreißen.“
Positive Beispiele zeigen: Gemeinsames Handeln bietet Chancen
Es geht auch anders, das zeige, so Köhlinger, das Beispiel des im Saarland eingeleiteten Umbaus der Stahlproduktion. Im Saarland haben IG Metall, das Management des Unternehmens und die Landespolitik an einem Strang gezogen, um in Zukunft grünen Stahl an der Saar produzieren zu können. Und auch mit dem Arbeitgeberverband in der Pfalz und der Landesregierung Rheinland-Pfalz hat es eine konstruktive Zusammenarbeit für die Ansiedlung der Gigafactory von ACC gegeben. Dass die Fabrik trotz bereitgestellter Fördermittel nicht gebaut wird, hat allein mit der mangelnden Risikobereitschaft der ACC-Eigner Stellantis, Mercedes-Benz und Total zu tun.