Die aktuelle Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ zeigt, wie schief diese Republik beim Thema Gleichstellung immer noch steht. Als wäre Teilzeit ein modisches Accessoire. Als wäre sie Ausdruck mangelnder Arbeitsmoral. Als würden Frauen freiwillig auf Einkommen und Rente verzichten.
Die Realität sieht anders aus – und die neuen Daten bestätigen das eindeutig:
Frauen arbeiten in Teilzeit, weil Strukturen sie dazu zwingen. Sie tragen einen Großteil der gesellschaftlich notwendigen Arbeiten: Kinder betreuen, Angehörige pflegen, Lücken auffangen, die der Staat nicht schließt. Frauen mit Kindern arbeiten 1,7 mal häufiger in Teilzeit. Eltern haben zusammen eine 60 Stunden Woche, aber während Mütter 60% dieser Zeit als unbezahlte Sorgearbeit leisten, verbringen Väter 60% in Erwerbsarbeit.
Dazu kommen höhere Belastungen am Arbeitsplatz: Frauen berichten deutlich öfter von Arbeitsunterbrechungen, Zeitdruck und emotionaler Anstrengung – vor allem, weil sie überproportional in sozialen und erzieherischen Berufen arbeiten. Und die Ungleichheiten werden besonders groß, sobald Kinder im Haushalt leben.
Unser Wirtschafts- und Sozialmodell verlässt sich darauf, dass Sorgearbeit gemacht wird – und dass Frauen sie übernehmen. Diese Erwartung ist unsichtbar und prägt alles: die Lohnsysteme, die Sozialpolitik, die Arbeitszeitmodelle, die betriebliche Organisation. Sorgearbeit wird nicht als Wirtschaftsleistung gezählt, obwohl sie die Grundlage jeder anderen Tätigkeit ist.
Der 8. März ist deshalb kein Feiertag, sondern ein Kampftag.
Ein Tag, der daran erinnert, dass Gleichstellung unvollendet bleibt, solange Politik und Arbeitgeber Strukturen verteidigen, die auf der unsichtbaren Arbeit von Frauen beruhen.
Die IG Metall kämpft für echte Vereinbarkeit, für eine Aufwertung sozialer und pflegerischer Arbeit, für faire Arbeitszeiten, faire Entgeltstrukturen und dafür, dass Care Arbeit nicht länger selbstverständlich Frauensache ist.