Pressemitteilung IG Metall fordert Zukunftsperspektive für Batteriezellstandort Kaiserslautern

Die IG Metall sieht weiterhin realistische Chancen, den Batteriezellstandort Kaiserslautern zu sichern. Das ist das Ergebnis des Runden Tisches in der Staatskanzlei Mainz am vergangenen Montag. Entscheidend sei, dass Politik und Unternehmen jetzt nicht erneut Zeit verlieren.

Jörg Köhlinger

6. März 2026 6. März 2026


„Kaiserslautern ist ein hochattraktiver Standort. Die Voraussetzungen sind hervorragend – qualifizierte Beschäftigte, erschlossene Flächen, Genehmigungen, Förderzusagen. Es gibt keinen überzeugenden Grund, diesen Standort preiszugeben“, sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte.

Die IG Metall verweist darauf, dass die Region über eine Belegschaft verfügt, die bereits Erfahrung in der Batteriezellfertigung hat. Hinzu kommen ein vollständig erschlossenes Industrie‑ und Logistikareal sowie sämtliche relevanten Genehmigungen. Förderzusagen liegen vor. Auch die Nähe zu Universität und Forschungseinrichtungen sei ein weiterer Vorteil.

Kritik an ACC und Erwartungen der IG Metall

Die Anteilseigner von ACC verweigern sich weiterhin jeder konstruktiven Lösung. Das widerspricht sowohl den industriepolitischen Zielen als auch den Förderzusagen, die an den Standort geknüpft sind. Für die IG Metall ist die von ACC vorgebrachte Begründung – angeblich fehlende Kunden – nicht plausibel. Sie passe weder zur europäischen Batterie‑Strategie noch zu geplanten industriepolitischen Programmen wie dem Industrial Accelerator Act.

„Diese Begründung wirkt vorgeschoben. Europa baut seine Batteriekapazitäten gerade massiv aus. Kaiserslautern gehört in diese Linie hinein – und nicht auf die Streichliste eines Unternehmens, das sich jeder Verantwortung entzieht“, sagte Köhlinger.
„Wenn ACC den Standort nicht weiterentwickeln will, dann muss es Alternativen zulassen. Was nicht geht: den Menschen hier jede Perspektive zu nehmen.“

Die IG Metall richtet klare Erwartungen an Bundesregierung, EU‑Kommission und – ausdrücklich – an die ACC‑Gesellschafter Stellantis, Mercedes‑Benz und Total. Die Schließungsentscheidung müsse zurückgenommen werden. Alle Möglichkeiten für einen eigenständigen Aufbau der Zellfertigung seien zu prüfen. Dazu gehöre auch die Bewertung eines Teil‑ oder Komplettverkaufs des Standorts oder von Anteilen der ACC Deutschland.

Da der Aufbau des ACC-Standorte in Frankreich, Deutschland und Italien mit öffentlichen Fördermitteln finanziert werden sollte, könnte mit dem Aus des Standorts in Kaiserlautern die Voraussetzungen der binationalen Notifizierung verletzt worden sein – mit möglichem Verstoß gegen europäisches Beihilferecht.

Der Betriebsrat und die Beschäftigten von ACC arbeiten in den kommenden Wochen an einem eigenen Alternativkonzept. Unter dem Motto „Do it or sell it – but don’t kill it“ werden die Standortvorteile, die Ursachen des bisherigen Scheiterns und die Perspektiven für eine moderne Batteriezellfertigung aufgearbeitet. Ziel ist ein tragfähiges Konzept, das dem Standort eine Zukunft gibt.

„Die Beschäftigten kämpfen für ihre Zukunft – und sie haben jedes Recht dazu. Wer jetzt kneift, gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern eine industriepolitische Chance für Deutschland und Europa“, so Köhlinger.