Damit konnten die Beschäftigten, ihr Betriebsrat und die IG Metall erneut zeigen, dass sie dem massiven Stellenabbau nicht tatenlos zusehen.
Noch vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen drastische Einschnitte angekündigt. Im Engineering-Bereich sollten ursprünglich rund 40 Prozent der Arbeitsplätze gestrichen werden. Nun sollen noch ca. 70 das Unternehmen verlassen. Bereits im Produktionsbereich war es zuvor gelungen, den geplanten Kahlschlag deutlich zu reduzieren: Statt eines noch deutlich höheren Abbaus sollen nun etwa 90 Beschäftigte gehen.
„Wir haben den Kahlschlag gestoppt“
Für den Betriebsrat ist die Einigung ein klarer Erfolg der Belegschaft. „Wir konnten den Kahlschlag stoppen, den Umfang spürbar reduziert und für die Betroffenen Mitarbeitenden ein angemessenes Freiwilligenprogramm abschließen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende des BTC, Michael Meisterburg. „Ohne den kollektiven Druck der Beschäftigten und die Unterstützung der IG Metall wäre das so nicht möglich gewesen.“ Die abgeschlossenen Vereinbarungen sollen die wirtschaftlichen Folgen für die Betroffenen abmildern, z.B.: durch die Überteilung in eine Transfergesellschaft mit Laufzeiten bis zu 12 Monaten, Aufstockung des Transfergeld und Abfindungen. „Wichtig ist: Niemand wird hier einfach fallen gelassen“, so Meisterburg weiter. „Wir haben klare Leitplanken eingezogen, die den Kolleginnen und Kollegen Sicherheit geben.“
IG Metall: „Es geht um mehr als einzelne Stellen“
Auch die IG Metall sieht in der Einigung einen wichtigen Erfolg – aber gleichzeitig nur einen Zwischenschritt. „Wir konnten den Stellenabbau deutlich reduzieren. Das ist das klare Ergebnis konsequenter Interessenvertretung“, betont Tom Kehrbaum, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt. „Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Der Konflikt gehe weit über das einzelne Unternehmen hinaus: „Hier entscheidet sich, ob Schlüsseltechnologie in Deutschland bleibt oder aufgegeben wird. Es geht um Industriearbeitsplätze, Innovation und um Wertschöpfung – und um unsere Technologie-Unabhängigkeit in wichtigen Zukunftsfeldern.“
Technologie aus Darmstadt darf nicht verloren gehen
Die Belegschaft verweist darauf, dass die Batterietechnologie in Darmstadt eine besondere Geschichte hat: Sie entstand aus der Forschung der TU Darmstadt und entwickelte sich zu einem europäischen Vorzeigeprojekt. Gerade deshalb trifft der Stellenabbau auf entschlossenen Widerstand. „Wir reden hier nicht über irgendeinen Standort“, sagt Meisterburg. „Wir reden über Technologie, die hier in der Region entstanden ist – mit Know-how unserer Kolleginnen und Kollegen. Das darf nicht einfach abgewickelt werden.“
Neue Perspektiven statt Rückzug
Betriebsrat und IG Metall fordern deshalb eine klare Zukunftsstrategie: Erschließung neuer Anwendungsfelder für Batteriesysteme, breitere Kundenbasis, Investitionen in Forschung und Entwicklung und neue Projekte zur Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten der Technologie. Gerade in der Daseinsvorsorge gibt es viele Möglichkeiten die Batteriesysteme von BorgWarner Akasol und BTC einzusetzen. Es geht um die langfristige Sicherung von Produktion und Engineering am Standort.
„Dieser Kampf geht weiter“
Für die IG Metall ist klar: Der erzielte Abschluss ist ein Erfolg – aber kein Endpunkt. „Wir haben gezeigt, wie stark Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall gemeinsam sind“, sagt Kehrbaum. „Und genau diese Stärke werden wir weiter einsetzen.“ Die Botschaft ist eindeutig: Die Beschäftigten haben den Abbau gebremst – jetzt kämpfen sie für die Zukunft. Für die Region Südhessen und letztendlich auch für eine eigenständige europäische Batterietechnologie.