Der Hans-Erlenbach-Platz in Lautert strahlte am Freitag 22. Mai in rot. Rund 70 Beschäftigte des Maschinenbauunternehmens Erlenbach beteiligten sich ab 9 Uhr bei strahlendem Sonnenschein an einem ersten Warnstreik. Die Aktion folgte auf zwei ergebnislose Tarifverhandlungen zwischen der IG Metall Koblenz und Arbeitgeberseite am 28. April sowie am 13. Mai. Mit dem Warnstreik verleihen die Beschäftigten ihrer Forderung nach einer Entgelterhöhung von 5 Prozent, mindestens jedoch 200 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten Nachdruck. Das Angebot des Arbeitgebers – eine Erhöhung der Entgelte um lediglich 1,5 Prozent – lehnen sie deutlich ab.
„Mit einer Entgelterhöhung deutlich unter der aktuellen Inflationsrate sind die Beschäftigten nicht einverstanden.“ so Stefanie Majer, Verhandlungsführerin der IG Metall Koblenz.
„Trotz wirtschaftlich unsicherer Lage sehen die Kolleginnen und Kollegen, dass das Unternehmen im letzten Jahr ein ordentliches Ergebnis erzielt hat. Dafür haben die Beschäftigen mit ihrem Einsatz wesentlich beigetragen.“
Für zusätzlichen Unmut sorgt die Haltung der Arbeitgeberseite in weiteren Punkten der Verhandlungen: Eine Mindesterhöhung der Entgelte sowie Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung wurden bislang als nicht verhandelbar zurückgewiesen. „Beschäftigungssicherung wäre für die Beschäftigten ein wichtiges Zeichen, dass der österreichische Konzern zum Standort und zum Erhalt der Arbeitsplätze in Lautert steht“, betont Andreas Friedrich, Mitglied der betrieblichen Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender bei Erlenbach. Die Tarifkommission habe dem Arbeitgeber verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie sich tarifliche Entgelterhöhungen mit flexiblen Umwandlungsoptionen – etwa von Geld in Zeit – verbinden lassen und gleichzeitig zur Beschäftigungssicherung beitragen können. „Wir sind weiterhin bereit, über solche Instrumente zu sprechen, die die IG Metall Koblenz in anderen Betrieben bereits seit Jahren erfolgreich einsetzt“, so Andreas Friedrich.
Während des ersten kurzen Warnstreiks kam der Betrieb zeitweise vollständig zum Stillstand. Dennoch betonen die Beschäftigten ihre Kompromissbereitschaft: „Wir wollen dem Betrieb nicht schaden und bevorzugen immer eine Lösung am Verhandlungstisch“, so Stefanie Majer. „Die Kolleginnen und Kollegen haben heute aber eindrucksvoll demonstriert, dass sie notfalls bereit sind, für faire Entgelterhöhungen zu kämpfen.“
Die nächste Tarifverhandlung ist für Donnerstag, den 28. Mai, angesetzt.
Beim Maschinenbau-Unternehmen Erlenbach besteht seit 2014 eine Tarifbindung über einen Haustarifvertrag. Die Beschäftigten hatten den Tarifvertrag damals erkämpft und seitdem in regelmäßigen Tarifrunden Entgelterhöhungen sowie weitere Tarifregelungen für das Unternehmen festgeschrieben. Die aktuelle Tarifbewegung ist die zweite seit der Übernahme des Unternehmens durch die österreichische Hirsch-Gruppe.