Aus den Regionen: GS Jena-Saalfeld und Gera Kahlschlag bei Kelvion und Deindustrialisierung im Osten sind nicht preiswürdig!

Mit einem Offenen Brief wenden sich der Betriebsrat und die Beschäftigten der Kelvion Brazed PHE GmbH in Nobitz-Wilchwitz (Thüringen) an die Jury und die Preisstifter des „Best Managed Companies Award“.

Drei IG-Metall-Wecker


Das Unternehmen wurde im Mai 2026 von einer Jury, der Vertreter des BDI, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Deloitte und einer Hochschule angehören, mit der Auszeichnung geehrt. Wie die von der angekündigten Schließung betroffene Belegschaft diese Ehrung bewertet, macht der folgende Offene Brief deutlich, den wir im Wortlaut dokumentieren.

 

Offener Brief an Jury & Preisstifter des „Best Managed Companies Award“

Kahlschlag bei Kelvion und Deindustrialisierung im Osten sind nicht preiswürdig!

Sehr geehrter Herr Lindner,
sehr geehrter Herr Lösch,
sehr geehrte Frau Prof. Dr. Rothenberger,
sehr geehrter Herr Vogel,
sehr geehrte Frau Dr. Wolter,

als Betriebsrat und Belegschaft der Kelvion Brazed PHE GmbH in Nobitz-Wilchwitz (Thüringen) wenden wir uns an Sie als Jury bzw. Preisstifter des „Best Managed Companies Award“. Wir fordern Sie auf, die im Mai verliehene Auszeichnung an Kelvion zu revidieren.

Wir gehen davon aus, dass Ihre Entscheidung auf Grundlage der positiven Geschäftsentwicklung und der Kennzahlen des Jahres 2025 getroffen wurde. Dank unseres Werkes, über Jahrzehnte die „Cash Cow“ von Kelvion, stimmten Erträge, Gewinne und Qualität. Dass ausgerechnet dieses Werk ohne stichhaltige Begründung geschlossen werden soll, passt weder zu den Werten Ihres Preises noch zum gesunden Menschenverstand.
Denn: Dichtmachen ist teurer als investieren – und schafft keine Werte.

Die tatsächliche Qualität des Kelvion-Managements zeigt sich beispielhaft im Umgang mit der Belegschaft und dem Betriebsrat. Bislang glänzen die Entscheider durch Abwesenheit und schicken andere vor. Wir finden: Wer erst eiskalt zum Kahlschlag ausholt, sollte sich dann nicht aus der Verantwortung stehlen.

Besonders das Zitat von Dr. Christine Wolter vom Preisstifter Deloitte in der Kelvion-Pressemitteilung steht in offenem Widerspruch zum aktuellen Handeln des Managements: „Kelvion zeigt eindrucksvoll, wie Unternehmen einen bedeutenden Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten und neue Perspektiven für Wirtschaft und Gesellschafteröffnen können.“

Wir fragen daher offen: Ist die Schließung des Werkes in Wilchwitz und damit auch ein Stück Deindustrialisierung im Osten ein „bedeutender Beitrag zur regionalen Entwicklung“? Entstehen daraus „neue Perspektiven für Wirtschaft und Gesellschaft“? Halten FAZ, Deloitte und BDI dieses Vorgehen wirklich für preiswürdig bzw. vorbildlich? Ist Dichtmachen und Abwickeln Ihre Zukunftsstrategie? Glauben Sie an den Industriestandort Deutschland?

Auf Ihre Antworten sind wir gespannt.

Mit freundlichen Grüßen
Der Betriebsrat und die Belegschaft der Kelvion Brazed PHE GmbH in Nobitz-Wilchwitz (Thüringen)


 

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