Hessischer Gießerei-Dialog Gemeinsame Erklärung zur Stärkung der Gießerei-Industrie

Im Rahmen des Gießerei-Dialogs Hessen hat sich Staatssekretär Dr. Johannes Loheide heute Vertreterinnen und Vertreter der hessischen Gießerei-Industrie, der IG Metall, des Bundesver-bands der deutschen Gießerei-Industrie, Betriebsräte und Unternehmensleitungen getroffen.

Landeshaus in Wiesbaden


  • Hessens Gießereien sind unverzichtbarer Bestandteil des Industriestandorts
  • Die Branche steht massiv unter Druck und braucht verlässliche Rahmenbedingungen
  • Transformation gelingt nur im Schulterschluss von Politik, Unternehmen und Beschäftigten

Im Mittelpunkt stand die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland, die Transformation hin zur Klimaneutralität sowie die Sicherung von Wertschöpfung und Beschäftigung in Hessen. 

Staatssekretär Dr. Johannes Loheide erklärte: „Die hessischen Gießereien stehen für industrielle Stärke, technisches Know-how und qualifizierte Beschäftigung in den Regionen. Sie sind Zulieferer für Maschinenbau, Automobilindustrie, Energie- und Infrastrukturtechnik sowie sicherheitsrelevante Anwendungen. Wer über die Zukunft des Industriestandorts Hessen spricht, muss deshalb auch über die Zukunft der Gießereien sprechen.“

Dr. Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie e.V. sagte: „Die Gießerei-Industrie in Deutschland ist eine Schlüsselindustrie für die deutsche und auch auf die hessische Wirtschaft. Aktuell stehen unsere Mitgliedsunternehmen vor enormen Herausforderungen, die nur in einem engen Dialog bewältigt werden können. Der heutige Austausch war ein wichtiger Auftakt. Wir freuen uns, den Dialog mit der Landesregierung in der Zukunft fortzuführen und zu intensivieren.“

Maik Grundmann, Bezirkssekretär des IG Metall Bezirks Mitte betont: „Die Industrie, insbesondere die Gießerei-Industrie, ist auf stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit angewiesen. Darunter fallen international wettbewerbsfähige Energiepreise, wirksame Importschutzmechanismen sowie Local-Content-Regeln. Als Vertreter der Beschäftigten in den hessi-schen Gießereien konnte die IG Metall zusammen mit Betriebsräten die angespannte Situation und die Notwendigkeit industriepolitischer Steuerung bekräftigen. Wir begrüßen daher die Initiative des hessischen Wirtschaftsministeriums und stehen für weitere Gespräche bereit.“

In Hessen arbeiten rund 8.200 Beschäftigte an 13 Gießereistandorten. Weitere rund 8.000 Arbeitsplätze hängen in vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen direkt von der Branche ab. Hessen ist damit nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg der drittgrößte Gießereistandort Deutschlands. Diese starke industrielle Basis bietet erhebliche Chancen für die weitere Entwicklung des Standorts. Die Gießereien können mit ihrer Bedeutung für zentrale Wertschöpfungsketten und ihrem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle bei Transformation, Resilienz und technologische Souveränität übernehmen. Damit diese Chancen genutzt werden können, braucht die Branche verlässliche und international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.

Zentrale Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Gießerei-Industrie

Als Ergebnis des Hessischen Gießerei-Dialogs wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die zentrale Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Gießerei-Industrie benennt. Dazu gehören u.a. 

  • international wettbewerbsfähige Energiekosten, 
  • ein wirksamer Schutz vor Carbon Leakage, 
  • realistische Transformationspfade, 
  • eine praxistaugliche Ausgestaltung des Europäischen Emissionshandels, 
  • die Einbeziehung von Guss und gussintensiven Komponenten in den Carbon Border Adjustment Mechanism sowie 
  • schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Besondere Sorge äußerten die Teilnehmer über die jüngst beschlossenen Anpassungen der eu-ropäischen ETS-Benchmarks. Dies könnte für Teile auch der hessischen Gießerei-Industrie erhebliche Mehrbelastungen verursachen und internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter untergraben. Die Teilnehmenden sind sich einig, dass hierzu rasch praxistaugliche Lösungen auf Europäischer Ebene gefunden werden müssen. 

Die gemeinsame Erklärung unterstreicht zudem die Bedeutung der Gießerei-Industrie für Kreis-laufwirtschaft, Rohstoffsicherheit und industrielle Resilienz. Gussprodukte bestehen überwie-gend aus Altmetallen und können nahezu unbegrenzt wiederverwertet werden. Damit verbindet die Branche industrielle Wertschöpfung mit Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Zugleich ist sie Teil strategisch wichtiger Wertschöpfungsketten, etwa in der Energieversorgung, der kritischen Infrastruktur, der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie sowie bei Dual-Use-Anwendungen.

Mit dem Industriepaket hat Hessen bereits wichtige Schritte auf den Weg gebracht, um Investi-tionen schneller, verlässlicher und praxistauglicher zu ermöglichen. Der Hessische Gießerei-Dialog knüpft daran an und konkretisiert den Handlungsbedarf für eine energieintensive Schlüsselbranche. Die Landesregierung wird die Ergebnisse der gemeinsamen Erklärung in den Nationalen Gießerei-Dialog einbringen, der am 10. Juli 2026 in Berlin stattfindet.

„Die Botschaft des Hessischen Gießereidialogs ist klar: Hessen steht an der Seite seiner Industrie und der Beschäftigten. Beschäftigung, industrielle Wertschöpfung und Klimaschutz brauchen eine aktive Industriepolitik, die Investitionen ermöglicht, Unternehmen stärkt und Beschäftigung sichert“, so Loheide abschließend.

(Presseinformation des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, Wiesbaden, 24. Juni 2026)



Erklärung im Wortlaut zum Download:

Gemeinsame Erklärung Hessischer Gießereidialog

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