Die Verhandlungen waren notwendig geworden, nachdem das Unternehmen im September 2025 einen umfangreichen Stellenabbau von rund 500 Arbeitsplätzen am Standort angekündigt hatte. ZF, IG Metall und Betriebsrat haben sich inzwischen auf ein umfassendes Gesamtpaket zur Standort- und Beschäftigungssicherung verständigt. Die Eckpunkte der Einigung wurden den Beschäftigten bereits auf einer Betriebsversammlung vorgestellt. Die Mitglieder der IG Metall bei ZF Koblenz stimmten am Mittwoch, 23.9.2026 nachmittags dem dazu nötigen Tarifvertrag mit 99 Prozent Zustimmung zu.
Festgehalten wird die Einigung in einem Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung unter dem Titel „Bündnis Koblenz“ sowie mehrere ergänzende Betriebsvereinbarungen, die den gleichen Namen tragen. Darin wird der Standort Koblenz bis Ende 2031 abgesichert und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausgeschlossen. Die Regelung zum Ausschluss der Kündigungen verlängert sich bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen automatisch bis 30. Juni 2030.
„Mit den nun geschlossenen Vereinbarungen ist uns nach langen Verhandlungen ein Ergebnis gelungen, das den Standort sichert und auf unterschiedliche Interessenlagen der Beschäftigten Antworten findet“, sagt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Die Beschäftigten entscheiden selbst, wie ihre Zukunft weitergeht. Niemand muss ZF verlassen, der das nicht möchte. Diejenigen, die sich für einen Wechsel entscheiden, erhalten dafür die bestmöglichen Bedingungen.“ Neben einem Freiwilligenprogramm mit attraktiven Abfindungsregelungen wurde auch eine Transfergesellschaft vereinbart.
Sie soll Beschäftigten, die sich beruflich neu orientieren möchten, eine Übergangsphase von bis zu 12 Monaten mit Absicherung des Nettoentgeltes von 85 Prozent mit Beratung, Qualifizierung und Unterstützung bei der Stellensuche ermöglichen. Für ältere Beschäftigte wurden zudem verschiedene Ausstiegsmöglichkeiten geschaffen. Dazu gehören ein Altersteilzeitprogramm sowie eine sogenannte „Rentenbrücke“, die einen Übergang in den Ruhestand ermöglicht.
„Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in Verbindung mit den vereinbarten Flexibilitätsinstrumenten ist das Herzstück der Vereinbarung. Ohne diesen Rahmen würden viele der nun geschaffenen Möglichkeiten nicht funktionieren“, so Yener weiter. Zu den vereinbarten Flexibilitätsinstrumenten zählen insbesondere Möglichkeiten zur Umwandlung von Sonderzahlungen in zusätzliche Freistellungstage oder Arbeitszeitreduzierung mit Teillohnausgleich, erweiterte Teilzeitoptionen sowie eine Sabbatical-Initiative. Damit sollen notwendige Personalanpassungen sozialverträglich und freiwillig gestaltet werden.
Wichtig war den Verhandlern auf Arbeitnehmerseite, für den Standort ZF in Koblenz eine verlässliche Perspektive zu schaffen. Dafür wird es ein neues Zielbild für den Standort geben, das festschreibt, welche Projekte zukünftig in Koblenz entwickelt und produziert werden. „Für den Produktionsstandort steht das Zielbild ZF Koblenz bereits fest“, erklärt Erdal Tahta, Betriebsratsvorsitzender bei ZF Koblenz. „Am Zielbild für die Entwicklung wird noch gearbeitet. Bei einer beteiligungsorientierten Betriebsversammlung Ende 2025 sowie in anschließenden Workshops haben die Beschäftigten viele Ideen und Hinweise eingebracht, wo der Standort bereits gut aufgestellt ist und wo er noch effizienter werden kann. Diese Vorschläge sollen in den Zielbildprozess einfließen. Das Zielbild macht deutlich, welche Rolle Koblenz künftig im Konzern einnehmen soll, und gibt den Beschäftigten eine konkrete Perspektive.“
Der Weg zu der nun vorliegenden Einigung war lang und zeitweise von Rückschlägen geprägt. Die Verhandlungen hatten bereits im September 2025 begonnen. Im Juni 2026 standen die Verhandlungspartner nach intensiven Gesprächen kurz vor einem Abschluss. Eine bereits weit fortgeschrittene Einigung wurde jedoch kurzfristig von der Arbeitgeberseite zurückgezogen. Daraufhin kündigte die IG Metall an, den Druck auf das Unternehmen deutlich zu erhöhen und bereitete mögliche Eskalationsschritte bis hin zu Arbeitskampfmaßnahmen vor. In weiteren Verhandlungsrunden gelang es schließlich, eine tragfähige Lösung zu erreichen. Die nun vorliegende Einigung konnte nur durch den Druck der IG Metall Mitglieder erzielt werden.
„Die Einigung war nur möglich, weil sich viele Beschäftigte, insbesondere aus dem Entwicklungsbereich, der IG Metall angeschlossen und damit den Druck für eine Lösung erhöht haben“, betont Tahta. „Ohne die Möglichkeit, notfalls auch in einen Arbeitskampf zu treten, wäre diese Bewegung auf Arbeitgeberseite nicht zustande gekommen.“ Ali Yener ergänzt: „Einen Tarifvertrag schließen wir nur mit einem starken Votum unserer Mitglieder ab.“ Über die Vereinbarungen hat nun die Versammlung der IG Metall-Mitglieder bei ZF Koblenz am Mittwochnachmittag mit einem eindeutigen Votum von 99 Prozent Ja-Stimmen zugestimmt.