Grundsätzlich hat die Tatsache, dass nicht alle von AEQUITA beim Kauf angekündigten Investitionen auch getätigt wurden, viel Vertrauen in der Belegschaft verspielt. Auch die Entwicklung, dass für die Beschäftigten eine spürbare Leistungsverdichtung und oft ein sehr rauer und geringschätzender Umgangston durch die Führungskräfte von AEQUITA an den Tag gelegt wird, immer wieder zu Unruhe und Differenzen zwischen der Belegschaft und dem Finanzinvestor führte.
Als AEQUITA aber im Winter 2024 über den Wirtschaftsausschuss einen millionenschweren Verzicht der Belegschaft auf tarifvertragliche Leistungen forderte, stand die Situation kurz vor einer Eskalation. Dieser Konflikt konnte nur beigelegt werden, weil AEQUITA aufgrund des Drucks der Belegschaft und des Betriebsrats mit aller Macht zurückgerudert ist und offiziell auf einer Betriebsversammlung verkündet hat, dass sie den Tarifvertrag nicht in Frage stellen würden und der Vorstoß im Wirtschaftsausschuss ein Fehler gewesen sei.
Seit der Zeit ist die Situation für die Beschäftigten zwar immer noch geprägt von Druck, Leistungsverdichtung und einem sehr autoritären Führungsgehabe der AEQUITA Führungskräfte, aber durch den weiterhin gültigen Tarifvertrag und das klare Versprechen von AEQUITA keinen Verzicht von tarifvertraglichen Leistungen zu fordern, konnte ein grundsätzlicher „Burgfrieden“ in Breidenbach erreicht werden.
Daher hat es alle Beschäftigte, die IG Metall und den Betriebsrat völlig überrascht, als aus dem nichts und ohne jeden Anlass in der letzten Woche das Gerücht die Runde machte, dass AEQUITA aus dem Arbeitgeberverband Hessenmetall austreten und in einen Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung eintreten wolle.
Da eine solche Handlung allen Beschäftigten, die kein Mitglied der IG Metall sind, die tarifvertragliche Grundlage für ihre Arbeitsbedingungen vollständig nehmen würde, haben IG Metall und Betriebsrat sofort die Beschäftigten über die Auswirkungen eines Verbandsaustrittes durch AEQUITA unterrichtet.
Erst diese öffentliche Unterrichtung von IG Metall und Betriebsrat, hat die Geschäftsführung dazu gezwungen, den Beschäftigten mitzuteilen, dass sie heimlich und ohne jede Information ihr Versprechen bezüglich der Tarifbindung gebrochen und diese für die Beschäftigten in Breidenbach vollständig abschaffen will.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten sehr hart für breyden in Breidenbach. Sie arbeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr und kommen auch samstags, sonntags und an Feiertagen zur Arbeit. Dass AEQUITA diese hohe Motivation unserer Leute mit einem Angriff auf unseren Tarifvertrag belohnt, kann niemand nachvollziehen. Unsere Kollegen sind zu Recht richtig sauer!“ so Francesco Paba, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Breidenbach.
In einer kurzen Mitteilung der Geschäftsführung ist zwar die Rede davon, dass sich die bestehenden Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nicht verändern sollen, aber daran glaubt nach dem gewaltigen Wortbruch niemand. „Warum sollten sie denn aus dem Arbeitgeberverband austreten und damit den Tarifvertrag außer Kraft zu setzen, nur um dann nichts zu verändern? Das ist doch völlig unglaubwürdig!“ ist die vielgeteilte Meinung der Beschäftigten.
Sowohl der Betriebsrat als auch die IG Metall als Tarifvertragspartei planen gerade die nächsten Schritte, um die falsche Entscheidung von AEQUITA umzukehren und den Tarifvertrag in Breidenbach zu erhalten. Seitens der IG Metall wurde ein heute ein Gesprächsangebot an den Arbeitgeber unterbreitet.
„Wir als Betriebsrat haben jetzt damit angefangen, sämtliche Mehrarbeit und Zusatzschichten abzulehnen. Es ist völlig unverständlich, dass AEQUITA an jedem Wochenende Kollegen benötigt, die zusätzlich arbeiten kommen, um den Laden hier am Laufen zu halten und gleichzeitig einen so hinterhältigen Angriff auf unsere Arbeitsbedingungen organisiert. Die Absage der Mehrarbeit wird im Betrieb zu echten Problemen führen. Die Tätigkeiten am Wochenende sind wichtig, um den normalen Ablauf unter der Woche zu gewährleisten. Aber unsere Kollegen erwarten jetzt vom Betriebsrat, dass wir uns für unsere Arbeitsbedingungen stark machen! Sobald AEQUITA uns nachweist, dass sie wieder dem Arbeitgeberverband beigetreten sind und unser Tarifvertrag sicher ist, kommen wir auch wieder am Wochenende und an Feiertagen arbeiten! Faire Bezahlung für harte Arbeit!“ so Mike Scheidt, der Vorsitzende des Betriebsrates bei breyden in Breidenbach.
Auch für die IG Metall ist dieser umfassende Angriff nicht nachvollziehbar. Oliver Scheld, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Herborn-Betzdorf dazu: „Die IG Metall vertritt die Belegschaft in Breidenbach seit vielen Jahrzehnten. Bisher konnten wir noch in jeder Krise, gemeinsam mit dem jeweiligen Inhaber, geeignete Lösungen und Kompromisse finden, um den Standort und die Arbeitsplätze abzusichern. Das AEQUITA aber ohne auch nur den Versuch zu starten, mit der IG Metall zu sprechen, heimlich die komplette Tarifbindung und damit alle Tarifverträge aufkündigt, ist ein absoluter Affront. Wir werden jetzt den Druck auf AEQUITA erhöhen, diese falsche Entscheidung zurückzunehmen. Wir sind bei breyden gut organisiert und kampfbereit. Das wird AEQUITA jetzt spüren. Die IG Metall ist sich ihrer Verantwortung für die Betriebe und Arbeitsplätze in der Region stets bewusst. Aber erst wenn die Tarifbindung bei breyden vollständig wieder hergestellt ist, können wir über einen gemeinsamen Weg für die Zukunft sprechen. Vorher nicht!“
Für die nächsten Wochen sind umfassende Protestveranstaltung im und vor dem Betrieb geplant. Die IG Metall Herborn-Betzdorf wird weiter über die Entwicklung und über konkrete Termine berichten.