Aus den Regionen: GS Jena-Saalfeld und Gera Bundestagsvizepräsident Ramelow besucht Erzwingungsstreik bei Kelvion

Am heutigen Freitag besuchte Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Mandy Eißing (Die Linke) die Streikenden und informierte sich vor Ort über den Erzwingungsstreik. Es ist der erste unbefristete Streik der IG Metall in Ostthüringen seit 35 Jahren.

Absperrband vor Werkstor.

7. August 2026 7. August 2026


„Es ist das gute Recht von Beschäftigten und Gewerkschaften, für ihre berechtigten Forderungen zu kämpfen. In unserem Land gilt: Wer über die Zukunft von Menschen und Regionen entscheidet, muss sich seiner Verantwortung stellen. Dass ein Werk, das gefragte Bauteile für Zukunftsbranchen erfolgreich herstellt, plötzlich ohne wirtschaftliche Not geschlossen wird, stößt auf eine Mischung aus Verwunderung und Entsetzen“, so Bodo Ramelow. „Die Geschlossenheit der Streikenden heute hat mich sehr beeindruckt. Das erinnert an die gewerkschaftlichen Kämpfe der 1990er-Jahre: Dort, wo Belegschaften im Osten auf die Barrikaden gingen, konnten industrielle Kerne erhalten werden!“

Auch für uns als IG Metall in Ostthüringen hat die Auseinandersetzung bei Kelvion eine Bedeutung weit über den Standort hinaus: Wir befürchten eine Deindustrialisierung im Osten, der wir uns entschlossen entgegenstellen. Dass unsere Kolleginnen und Kollegen bei Kelvion auch Unterstützung aus anderen Betrieben erhalten, zeigt ganz deutlich: Jeder weiß heute, worum es geht“, so Christoph Ellinghaus, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Jena-Saalfeld und Gera. „Wir erleben heute den vierten Tag des unbefristeten Streiks, den die Belegschaft mit 100 Prozent beschlossen hat. Bereits unsere Warnstreiks und der Erzwingungsstreik zeigen massive Auswirkungen auf die Lieferkette des Unternehmens. Unsere Botschaft an das Management ist klar: Wer eine Lösung möchte und an seine Kunden denkt, muss auf unsere berechtigten Forderungen eingehen. Wir sind auf alles vorbereitet und haben die Streikposten bereits verstärkt“, so Ellinghaus.

Profitables Werk einer Zukunfsbranche macht zu
Die Kelvion Brazed PHE GmbH produziert in Wilchwitz hochmoderne Wärmetauscher für Zukunftsbranchen wie Heiz-, Kühl- und Klimatechnik. Trotz schwarzer Zahlen und hoher Auslastung kündigte das Management im Mai überraschend an, das profitable und leistungsfähige Werk zu schließen. Mit sechs Warnstreikwellen unterstrich die Belegschaft ihre Forderung nach einem Sozialtarifvertrag, um die Härten der Schließung abzufedern. Nach dem Abbruch der Verhandlungen Ende Juli stimmten 100 Prozent der IG-Metall-Mitglieder für einen unbefristeten Erzwingungsstreik. Von der Werksschließung sind rund 300 Beschäftigte betroffen.