Aus den Regionen: GS Darmstadt Erster Warnstreik bei ZEISS SMT: Beschäftigte setzen deutliches Zeichen in den Tarifverhandlungen

Zum ersten Mal in der Geschichte des ZEISS SMT Standorts in Roßdorf haben Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Von 12 bis 14 Uhr beteiligte sich die überwältigende Mehrheit der Belegschaft am ersten Warnstreik, Nach sechs Tarifverhandlungsrunden erwarten die Beschäftigten spürbare Fortschritte.

Warnstreik bei Zeiss Darmstadt

7. August 2026 7. August 2026


Dem Warnstreik war ein einstimmiger Beschluss der Tarifkommission und der Mitgliederversammlung vorausgegangen. Aus Sicht der Beschäftigten reichen weder das Tempo der Verhandlungen noch die bisherigen Angebote des Arbeitgebers aus. Vor allem bei der Heranführung an den Flächentarifvertrag sowie der Einführung der 35 Stunden Woche sehen sie bislang keine ausreichende Bewegung. Nach der Betriebsversammlung zogen die Beschäftigten in einem Demonstrationszug lautstark durch Roßdorf zum Betrieb, wo eine Kundgebung folgte. Unter dem Motto „Im Westen wie im Osten. One ZEISS.“ machten sie ihre Forderung nach einheitlichen tariflichen Arbeitsbedingungen innerhalb der ZEISS Gruppe deutlich. 

„Nach sechs Verhandlungsrunden erwarten die Kolleginnen und Kollegen mehr als Bewegung im Nanometerbereich. Wer weltweit Spitzentechnologie entwickelt, braucht auch tarifliche Spitzenstandards. Die Beschäftigten wollen dieselben tariflichen Arbeitsbedingungen, die an anderen ZEISS Standorten längst gelebte Praxis sind“, erklären die Gewerkschaftssekretäre Martin Sperber Tertsunen und Anusch Cascorbi von der IG Metall Darmstadt. „Sie erwarten dies auch als Zeichen des Respekts und Wertschätzung für ihre jahrelange starke Leistung und ihren bedeutenden Beitrag zum Erfolg von ZEISS SMT!“ 

Der Warnstreik ist zugleich das Ergebnis eines außergewöhnlichen Organisierungsprozesses. Innerhalb eines halben Jahres haben sich die Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert, so dass der Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen aufgefordert werden konnte. Mit dem ersten Warnstreik wurde nun ein weiteres Kapitel dieser Entwicklung geschrieben. 

„Heute hier vor euch zu stehen und zu sehen, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte dieses Standorts so zahlreich gemeinsam vor dem Werk stehen, macht mich richtig stolz. Ich bin stolz auf euch und darauf, wie wir zusammenhalten“, sagte Maximilian Schür in seiner Ansprache. 

Unterstützung erhielten die Beschäftigten auch von den Kolleginnen und Kollegen des ZEISS Standorts Coswig bei Dresden, die sich auch in Tarifverhandlungen befinden. Deren Solidaritätsbotschaft wurde während der Kundgebung verlesen. Trotz hochsommerlicher Temperaturen spricht die starke Beteiligung an dem Warnstreik für sich und unterstreicht den Zusammenhalt der Belegschaft und die Ernsthaftigkeit der Tarifforderungen. 

Die IG Metall erwartet nun in den kommenden Tarifverhandlungen ein deutlich verbessertes Angebot. Sollten insbesondere bei der 35 Stunden Woche und der Heranführung an den Flächentarifvertrag keine Fortschritte erzielt werden, schließen die Beschäftigten weitere Warnstreiks nicht aus.