Aus den Regionen: GS Koblenz Tarifbefragung und „Rote Karte gegen den sozialen Kahlschlag“ bei der MEN in Nassau

An zwei Ansprachetagen sammelten die IG Metall-Vertrauensleute des Metallwerks Elisenhütte Nassau (MEN) Rückmeldungen zur Tarifbefragung der IG Metall Koblenz und beteiligten sich gleichzeitig an der Aktion „Rote Karte gegen den sozialen Kahlschlag“ des DGB in Rheinland-Pfalz.

Tarifbefragung Elisenhütten

10. August 2026 10. August 2026


Bei passendem schönem Wetter kamen die Beschäftigten bei einem gemeinsamen Eis ins Gespräch über die bevorstehenden tarifpolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Für die Beschäftigten steht nach dem Sommer in mehrfacher Hinsicht ein „heißer Herbst“ bevor. Zum einen startet ab Oktober die Verhandlungsphase in der Metall- und Elektroindustrie. Bereits ab November könnten erste Warnstreiks auf der Tagesordnung stehen. Zum anderen sorgen die aktuellen politischen Entwicklungen für große Verunsicherung in der Belegschaft.

 

„Die Reformen in den Sozialsystemen, wie sie derzeit geplant werden, gehen einseitig zulasten der Beschäftigten“, erklärt Matthias Aulmann, IG Metall-Vertrauensmann und zugleich Betriebsratsvorsitzender bei der MEN. „Erhöhte Zuzahlungen bei Medikamenten, das Ende der Familienmitversicherung, die geplante Beteiligung von Beschäftigten mit geringem Einkommen an den Pflegekosten ihrer Eltern sowie insbesondere die geplante Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren und massive Eingriffe in die Altersteilzeitmöglichkeiten. Das alles können sich viele Kolleginnen und Kollegen nicht leisten. Selbst mit guten Industrieentgelten wird das zunehmend schwierig.“

Aus diesem Grund wollen die Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall Koblenz und den weiteren DGB-Gewerkschaften am 26. September auf die Straße gehen.

 

„Mit den Postkarten, die wir gesammelt haben, werden wir unsere regionalen Bundestagsabgeordneten zunächst an ihre Verantwortung gegenüber den Menschen in ihren Wahlkreisen erinnern“, so Matthias Aulmann weiter. „Sollte das nicht ausreichen, um die Politik zum Umdenken zu bewegen, werden wir unsere Forderungen beim DGB-Aktionstag Ende September noch einmal mit Nachdruck deutlich machen.“

 

Gleichzeitig bereitet sich die IG Metall auf die anstehende Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie vor. „Mit der Tarifbefragung erheben wir die Stimmung in den Belegschaften: Welche Themen sind den Beschäftigten wichtig? Was bewegt sie? Welche Forderungen halten sie für angemessen und notwendig? Und schließlich: Sind sie bereit, dafür, wenn nötig, auch zu streiken?“, erläutert Stefanie Majer, Politische Sekretärin der IG Metall Koblenz. „Das große Interesse, das wir derzeit in den Betrieben erleben, zeigt, dass wir auf die Tarifverhandlungen gut vorbereitet sind.“ Dennoch rechnet Stefanie Majer mit schwierigen Verhandlungen: „In der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage wittern die Arbeitgeberverbände die Chance, wichtige Errungenschaften im Bereich der Beschäftigtenrechte in Frage zu stellen. Für faires Tarifergebnis werden wir daher das Engagement der Belegschaften brauchen.“

 

Beim Metallwerk Elisenhütte sieht man sich dafür gut gerüstet: „Im Gegensatz zu manchen anderen Betrieben in der Region stellt das Metallwerk Elisenhütte neue Mitarbeiter ein“, betont Matthias Aulmann. „Eine Tarifbewegung ist immer auch eine Gelegenheit, Zusammenhalt in der Belegschaft zu erleben. Die Aktionen in dieser und der vergangenen Woche haben uns zusätzlichen Rückenwind gegeben.“ Die hohe Beteiligung an der Tarifbefragung und die breite Unterstützung der Aktion gegen den sozialen Kahlschlag zeigen, dass die Beschäftigten die aktuellen Entwicklungen aufmerksam verfolgen und bereit sind, ihre Interessen gemeinsam zu vertreten.

 

Hintergrund

Die Tarifbefragung der IG Metall, die bundesweit bis zum 28. August in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie läuft, bildet die Grundlage für die Tarifforderung, die im September in den Tarifkommissionen beraten und beschlossen wird. Die Entgelttarifverträge enden zum 30. Oktober. Anschließend sind Warnstreiks möglich. Bereits zuvor sind zwei Verhandlungsrunden für Mitte und Ende Oktober vorgesehen.