Aus den Regionen: GS Hanau-Fulda Schock in Gründau: Lear kündigt Werkschließung an

Schockierende Nachrichten für die Belegschaft des Automobilzulieferers Lear in Gründau. Das Management hat angekündigt, Produktion und Logistik am Standort vollständig stillzu legen.

Wehende IG Metall-Fahnen.

12. August 2026 12. August 2026


Knapp 180 Arbeitsplätze würden dadurch verloren gehen. Arbeit und Maschinen sol len Den Planungen zufolge an Standorte in der Slowakei, Serbien und Tunesien verlagert werden. Der Beschäftigungsabbau soll schnellstmöglich beginnen und bis Mitte 2027 abge schlossen werden. Am Standort verbleiben würden lediglich gut 120 Engineering-Stellen. 

Dazu Betriebsratsvorsitzender Markus Rotter: „Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Bei der Übernahme durch Lear vor gut zwei Jahren wurde uns noch verspro chen, alles bleibe beim Alten. Zwar gehen schon lange Gerüchte über anstehende Verlage rungen umher, unser Standort wurde und wird auf Konzernebene systematisch schlechtge rechnet. Aber die Ankündigung des Unternehmens übertrifft unsere schlimmsten Befürch tungen. Die teils energischen Diskussionen auf der Mitarbeiterversammlung zeigen: die Be schäftigten sind nicht bereit, Abwicklung und Arbeitsplatzverlust kampflos hinzunehmen.“ 

Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, ergänzt: „Erst letztes Jahr hat ten wir eine tarifliche Vereinbarung getroffen, mit der wir die Zukunft des Gründauer Werks sichern und gestalten wollten. Auch die Beschäftigten haben mit ihrer Forderung nach einer unmittelbaren Bindung an die Branchentarifverträge zurückgesteckt, um den Standort zu si chern. Aber unternehmerische Verantwortung ist hier offenbar ein Fremdwort. Das Lear-Ma nagement drückt sich seit Monaten um die vertragliche Verhandlungsverpflichtung. Dazu kommt: viele der potenziell betroffenen Beschäftigten arbeiten seit Jahrzehnten am Standort und stehen jetzt im Alter von 50 bis 60 Jahren vor dem beruflichen Aus. Gemeinsam mit un seren Mitgliedern und dem Betriebsrat müssen wir jetzt alles daran setzen, Lear von dieser falschen Entscheidung abzubringen.“ 

Zum Hintergrund: In Gründau werden Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen sowie Sensoren und Elektroniken für die Automobilindustrie entwickelt und derzeit noch gefertigt. Der Standort war lange Zeit der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin (IGB). Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren hier in Spitzenzeiten beschäftigt. Die IGB wurde vor knapp drei Jahren durch die Lear Corporation aus den USA übernommen. Der Standort kommt derzeit noch auf insgesamt gut 300 Beschäftigte. 

Die beabsichtigte Schließung trägt auch zum fortgesetzten industriellen Kahlschlag in der Region bei: erst im vergangenen Jahr wurde das Werk des Baumaschinenherstellers Putz meister in der unmittelbaren Nachbarschaft geschlossen. Und zur Zeit laufen unter anderem beim US-Medizintechnikhersteller Thermo Fisher Verhandlungen über einen massiven Stel lenabbau im benachbarten Langenselbold.