Herborner Aktionstag „Es ist 5 vor 12 – Zukunft statt Kahlschlag“

Herborn – Mehr als 650 Beschäftigte aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung haben heute auf dem Herborner Marktplatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen, starke Tarifverträge und eine zukunftsfähige Industriepolitik demonstriert.

Aktionstag in Herborn

11. September 2026 11. September 2026


Die Kundgebung der IG Metall stand unter dem Motto „Es ist 5 vor 12 - Zukunft statt Kahlschlag.“ Der Protest richtete sich gegen den Stellenabbau, Standortschließungen und gegen die massiven Angriffe auf tarifliche Standards von Seiten der Arbeitgeber sowie den von der Politik geplanten Sozialabbau.

Die Gewerkschaftsvertreter machten deutlich, dass die aktuelle Krise in vielen Unternehmen vor allem zulasten der Beschäftigten geht. Kritisiert wurde der Personalabbau, Forderungen nach längeren Arbeitszeiten sowie mangelnde Investitionen in Innovationen und Zukunftstechnologien.

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, sagte: „Die Beschäftigten sind nicht das Problem. Sie haben in den vergangenen Jahren erhebliche Beiträge zur Sicherung von Unternehmen und Standorten geleistet und sind nicht für unternehmerische Fehlentscheidungen verantwortlich. Die Beschäftigten erwarteten von Politik und Arbeitgebern konkrete Antworten auf die Herausforderungen von Transformation, hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerb. Es geht schlicht darum, dass Unternehmen und Politik ihrer Verantwortung für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland gerecht werden.“

Die IG Metall erneuerte ihre Forderungen nach einer aktiven Industriepolitik mit wettbewerbsfähigen Energiepreisen, verstärkten Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie klaren Vorgaben zur Sicherung von Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland und Europa. Deutliche Kritik übte die Gewerkschaft zudem an Forderungen nach einer Aufweichung bestehender Arbeitszeitstandards. Die 35-Stunden-Woche sei ein hart erkämpfter tarifpolitischer Erfolg und Ausdruck von Produktivität sowie sozialem Fortschritt. Auch die Altersteilzeit und die Möglichkeit eines früheren Renteneintritts nach 45 Versicherungsjahren seien wichtige Elemente eines gerechten und sozialverträglichen Übergangs in den Ruhestand.

„Viele Beschäftigte erleben gerade eine doppelte Verunsicherung: Sie wissen nicht, wie sicher ihr Arbeitsplatz morgen noch ist. Gleichzeitig werden durch Arbeitgeber tarifliche Standards und Schutzrechte in Frage gestellt. Dabei ist klar: Ohne Industrie keine Zukunft, ohne Beschäftigte keine Industrie und ohne Respekt kein sozialer Frieden“, betonte Oliver Scheld, Geschäftsführer der IG Metall Herborn-Betzdorf, auf dem Marktplatz in Herborn. Heimische Arbeitgeber stellten weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung und sägten damit an ihrer Zukunft und der Zukunft der jungen Generation. Sie kommen ihrer sozialen Verantwortung in der Region immer weniger nach. Es fehle in einem schwierigen Umfeld an Ideen. Das verunsichert die junge Generation, so Oliver Scheld weiter.

Zum Abschluss der Kundgebung rief die IG Metall zur Teilnahme am Aktionstag am 21. September auf. Der bundesweite Automobil-Aktionstag steht unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke.” Geplant sind weit über 200 Aktionen - allein im IG Metall-Bezirk Mitte sind es mehr als 50 Aktionen in nahezu allen Geschäftsstellen.

Der DGB-Aktionstag am 26. September in Frankfurt will ein Zeichen gegen den geplanten Sozialabbau setzen. Von den IG Metall-Mitgliedern in Herborn-Betzdorf solle ein deutliches Signal nach Wiesbaden, Mainz, Berlin und Brüssel ausgehen: für gute Arbeit, soziale Sicherheit, tarifliche Standards und eine starke industrielle Zukunft, betonte Oliver Scheld.