Drei Tage nach der Demonstration gegen Sozialabbau in Koblenz haben IG Metall Koblenz und DGB Region Koblenz die Roten Karten aus den Betrieben der Region an den Bundestagsabgeordneten Josef Oster (CDU) übergeben. Zentrale Botschaft: Weitere Einschnitte bei Rente, Gesundheit und Pflege sowie eine Aufweichung von Arbeitnehmerrechten stoßen auf entschiedenen Widerstand. Die Gewerkschaften erwarten Reformen, die soziale Sicherheit stärken und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern.
Mehrere tausend Beschäftigte aus Betrieben der Region haben sich in den vergangenen Wochen an der Aktion „Rote Karte gegen den sozialen Kahlschlag“ beteiligt. Die gesammelten Karten übergaben heute Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, und Sebastian Hebeisen, Regionsgeschäftsführer des DGB Region Koblenz, an Josef Oster. Zuvor hatten die Gewerkschaften bereits Karten an den Bundestagsabgeordneten Dr. Thorsten Rudolph (SPD) übergeben.
Thema des Gesprächs war auch die Demonstration am vergangenen Samstag. Rund 800 Menschen waren dem Aufruf des DGB und seiner Gewerkschaften gefolgt und vom Hauptbahnhof durch die Koblenzer Innenstadt gezogen. Die Gewerkschaften sehen sich durch die Beteiligung darin bestärkt, ihre Forderungen gegenüber der Bundespolitik mit Nachdruck zu vertreten.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Zukunft der gesetzlichen Rente, die Gesundheitsversorgung sowie die geplanten Veränderungen bei Arbeitszeit und sachgrundlosen Befristungen. Die Gewerkschaften forderten insbesondere den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren und des Blockmodells der Altersteilzeit. Zudem wandten sie sich gegen eine Aufweichung der täglichen Arbeitszeitgrenzen und die Ausweitung sachgrundloser Befristungen.
„Die Demonstration und die zahlreichen Roten Karten zeigen, wie groß die Sorgen in den Betrieben sind. Viele Beschäftigte fragen sich, ob ihre Arbeitsplätze im industriellen Wandel erhalten bleiben und wie sie gesund bis zur Rente durchhalten sollen“, erklärte Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, braucht verlässliche Perspektiven für den Ruhestand. Dazu gehören die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren und die Altersteilzeit im Blockmodell. Und wer jeden Tag in Schicht oder an der Maschine arbeitet, braucht wirksame Grenzen bei der Arbeitszeit.“
Sebastian Hebeisen, DGB-Regionsgeschäftsführer in Koblenz, betonte: „Der 24. Oktober war ein starkes Signal aus der Region. Die Menschen erwarten einen Sozialstaat, auf den sie sich verlassen können. Diese Erwartung haben wir Josef Oster heute mit auf den Weg gegeben. Gesundheitsversorgung, Pflege, Arbeitsschutz und soziale Sicherung sind Grundpfeiler unseres Zusammenlebens. Reformen müssen das Leben der Menschen besser machen. Daran werden wir die Entscheidungen der Bundesregierung und der Abgeordneten unserer Region messen.“
Josef Oster, Ali Yener und Sebastian Hebeisen vereinbarten, den Dialog über die weiteren Reformvorhaben fortzusetzen und im Gespräch zu bleiben. IG Metall Koblenz und DGB Region Koblenz werden die anstehenden Entscheidungen kritisch begleiten und die Erfahrungen und Erwartungen der Beschäftigten aus der Region weiterhin einbringen. Maßstab müsse sein, ob die Reformen für mehr Sicherheit, gute Arbeit und eine gerechte Verteilung der Belastungen sorgen.